Folge 3 - Shit happens oder was bei der Präanalytik alles schief gehen kann
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Speaker0: Labor in Zeit Folge 3 Shit happens, Präanalytik oder was alles schief gehen kann.
Speaker0: Hallo liebe Hörerinnen und Hörer,
Speaker0: herzlich willkommen zur dritten Folge unseres Podcasts Labor in Zeit.
Speaker0: Mein Name ist Georg Engler, ich bin von Beruf und Berufung seit über 25 Jahren
Speaker0: Labormediziner und ich darf euch hier in diesem Podcast für das Labors AT Fachärzte
Speaker0: Team etwas über Laborwerte erzählen.
Speaker0: Heute möchte ich ein bisschen etwas über das erzählen, was vor der Analyse passiert,
Speaker0: die Präanalytik und wo auch die meisten Fehler passieren. Und davor noch eine
Speaker0: kleine Werbung und natürlich die Interessenskonflikte.
Speaker0: Dieser Podcast wird euch zur Verfügung gestellt von der Gruppenpraxis Laborsaté,
Speaker0: einer Wiener Gruppenpraxis für Labormedizin.
Speaker0: Wir sind stolz darauf, unseren Kundinnen und Patienten das ganze Spektrum der
Speaker0: Labordiagnostik anbieten zu können und das zu einer bestmöglichen Qualität.
Speaker0: Unser Motto ist, den Menschen den richtigen Wert geben und das leben wir auch tagtäglich.
Speaker0: Als Facharzt in diesem Labor verdiene ich natürlich auch meine Brötchen hier
Speaker0: mit der Durchführung von Laborwerten. Werbung Ende.
Speaker0: Ganz kurz zum Thema Präanalytik. Was bedeutet das? Und vorher sollten wir uns
Speaker0: ein bisschen was überlegen.
Speaker0: Wenn jemand eine Laboranalyse benötigt, braucht oder den Arzt sie anfordert,
Speaker0: was passiert denn da alles?
Speaker0: Und zuerst beginnt jeder Labortest im Kopf des behandelnden Arztes oder des
Speaker0: Patienten, der es wissen möchte, der sich überlegt, was habe ich für ein Problem,
Speaker0: was brauche ich für einen Test?
Speaker0: Er stellt idealerweise einen Auftrag, schriftlich idealerweise,
Speaker0: und bereitet den Patienten vor. Es kommt zur Blutabnahme, zum Transport,
Speaker0: zur Probenabnahme, hier im Labor, zur Registrierung.
Speaker0: Die Probe wird inspiziert, es wird kontrolliert, sie wird vorbereitet zur Analyse
Speaker0: und dann folgt erst die Analyse.
Speaker0: Also es sind eine ganze Reihe Schritte, an denen sehr viele verschiedene Menschen
Speaker0: beteiligt sind und natürlich sehr viel schief gehen kann.
Speaker0: Danach kommt die eigentliche Laboranalyse mit der Qualitätskontrolle und danach
Speaker0: kommt die sogenannte Postanalytik, wo der Laborbefund dann sozusagen wieder
Speaker0: dem Arzt oder dem Patienten ermittelt wird und dort hoffentlich dann auch die
Speaker0: entsprechenden Konsequenzen gezogen werden.
Speaker0: Und in diesem ganzen Kreislauf passieren ungefähr 70 bis 80 Prozent aller Laborfehler
Speaker0: oder aller fehlerhaften Befunde in dem Bereich der Präanalytik.
Speaker0: Grundsätzlich ist das Labor einer der sichereren Systeme im System Krankenhaus.
Speaker0: Nur etwa drei Prozent aller Fehler betreffen in einem Spital in etwa irgendwie
Speaker0: den Bereich Labor, Labor-Diagnostik oder Laboranalytik.
Speaker0: Und davon passieren, wie gesagt, 70 bis 80 Prozent vor der eigentlichen Laboranalyse.
Speaker0: Und was passiert da hier in diesem präanalytischen Fehler? Wovor fürchten wir uns am meisten?
Speaker0: Wir fürchten uns am meisten vor Patientenverwechslungen. Das heißt,
Speaker0: der Patient Meier steht auf dem Röhrchen, in Wirklichkeit ist der Patient Müller drinnen.
Speaker0: Und jeder kann sich vorstellen, dass das natürlich sehr unangenehm ist,
Speaker0: wenn ein Patient einmal versehentlich die falsche Blutgruppe bekommt.
Speaker0: Das sind Dinge, die wir auf alle Fälle vermeiden wollen.
Speaker0: Es kann sein, dass die Röhrchen unbeschriftet sind oder dass etwas Falsches
Speaker0: angefordert wurde oder dass falsche Röhrchen geschickt wurde oder zu wenig Röhrchen
Speaker0: geschickt wurde oder durch falsche Lagerungsbedingungen die Probe verfälscht
Speaker0: wird oder dass die Probe verloren geht.
Speaker0: Es gibt dann auch noch eine Reihe anderer Fehler, die die Analyse beeinflussen
Speaker0: können. Auf die komme ich dann noch.
Speaker0: Das, wovor wir uns am meisten fürchten, natürlich ist diese Probenverwechslung.
Speaker0: Das heißt, wir bestimmen einen Wert bei einem Patienten von einem Röhrchen,
Speaker0: das in Wirklichkeit einem anderen gehört. Was ist da das wichtigste Thema?
Speaker0: Man sollte bei jeder Blutabnahme, dort entstehen die meisten Probenverwechslungen,
Speaker0: den Patienten immer in offenen Fragen nach seinem Namen fragen.
Speaker0: Und zwar nicht, sind sie der Herr Mayer oder heißen sie Müller oder wie auch
Speaker0: immer, sondern wie heißen sie, wann sind sie geboren.
Speaker0: Dann können die meisten Patienten richtig antworten. Wir kennen das alle aus
Speaker0: Ordinationen oder sonstigen Aufrufen.
Speaker0: Der Arzt oder die Ordinationshilfe ruft Meier ins Wartezimmer.
Speaker0: Es melden sich entweder drei oder gar niemand.
Speaker0: Das heißt, immer offene Fragen. Das zweite Thema ist, und das muss ich auch
Speaker0: als Meinung deklarieren, bitte ausschließlich in beschriftete Röhrchen abnehmen.
Speaker0: Unbeschriftete Röhrchen sehen alle gleich aus.
Speaker0: Warum ist das eine Meinung von meiner Seite? Es gibt sehr wohl amerikanische
Speaker0: Guidelines, die sagen, man kann auch nach der Blutabnahme die Röhrchen beschriften.
Speaker0: Davon raten wir dringend ab.
Speaker0: Warum? Wenn man nach der Blutabnahme irgendwie abgelenkt ist,
Speaker0: dann sind die Röhrchen unbeschriftet. Dann habe ich fünf unbeschriftete Röhrchen von fünf Patienten.
Speaker0: Und dann ist die Patientenidentifikation sicher nicht mehr gegeben.
Speaker0: Wir hatten einen sehr unangenehmen Fall, und zwar mit einer falsch zugeordneten
Speaker0: Blutgruppe. und was ist damals passiert, das hat uns dann auch noch die Patientin erzählt.
Speaker0: Sie hat auch dem Arzt extra darauf hingewiesen, der hat ein unbeschriftetes
Speaker0: Röhrchen abgenommen und dann ist der nächste Patient gekommen und der hat dann
Speaker0: wirklich die Röhrchen verwechselt.
Speaker0: Diese Patientin hatte dann eine falsche Blutgruppe und wir konnten das dann
Speaker0: erst später mal richtigstellen.
Speaker0: Natürlich immer den Namen auch kontrollieren und idealerweise mit Vornamen,
Speaker0: Nachnamen und Geburtsdatum beschriften, sonst haben wir Themen bei Ehepaaren
Speaker0: oder Geschwistern oder sonstigen nahe Verwandten.
Speaker0: Eines der Beispiele aus meiner Spitalszeit, wir hatten dort eine 18-20 jährige
Speaker0: Patientin, nach der Entbindung wird die Blutgruppe bestimmt von Mutter und Kind,
Speaker0: um zu schauen, ob es da irgendwelche Antikörper gibt oder ob man was tun muss.
Speaker0: Und laut unserem Computersystem war die Patientin A negativ.
Speaker0: Plötzlich war sie laut dem Befund AB positiv.
Speaker0: Wir haben dann nochmal kurz nachgeschaut und haben gesagt komisch und haben
Speaker0: geschaut, die Patientin, die gerade frisch ein Kind zur Welt bekommen hat,
Speaker0: hieß eigentlich Meier Franz. Was ist da passiert?
Speaker0: Die Patientin hat bei der Aufnahme im Krankenhaus aus Versehen die IKT ihres
Speaker0: Partners abgegeben und es ist natürlich niemand aufgefallen,
Speaker0: dass dort ein Meierfranz soeben Vater einer Tochter geworden ist.
Speaker0: Das war glücklicherweise leicht zu merken.
Speaker0: Was haben wir sonst für Fehlerquellen, die sonst passieren können,
Speaker0: die das nicht unbedingt beeinflussen kann?
Speaker0: Manchmal passiert es, dass die Blutkörperchen in den Röhrchen platzen.
Speaker0: Dann kommt es der sogenannten Hämolyse zu einer Rotverfärbung.
Speaker0: Warum ist das unangenehm?
Speaker0: Wenn das Blut rot verfärbt ist, heißt es, dass die roten Blutkörperchen sozusagen
Speaker0: auch ihre Bestandteile in das Serum rausgeben und damit verfälschen sich einige
Speaker0: Werte, vor allem Kalium oder eben auch LDH oder auch Herzinfarkt, Marker dummerweise.
Speaker0: Manchmal passiert es, dass der Patient gerade eine Infusion hängen hat,
Speaker0: man nimmt trotzdem Blut ab, man misst dann wunderschöne Werte,
Speaker0: meistens eigentlich nur die Werte der Infusion, wenn die im selben Arm hineinrinnt
Speaker0: und nicht die Werte des Patienten.
Speaker0: Das heißt, auch hier Infusion abdrehen, ein paar Minuten warten,
Speaker0: damit dieser Verdünnungseffekt weg ist und dann erst Blut abnehmen.
Speaker0: Medikamente machen herrliche Interaktionen, auf die komme ich noch.
Speaker0: Wenn der Patient sagt, er ist nüchtern, was heißt das? Für manche heißt das,
Speaker0: dass sie einfach an dem Tag etwas weniger Alkohol als sonst getrunken haben.
Speaker0: Und körperliche Aktivität macht sehr witzige Dinge.
Speaker0: Man muss auch aufpassen, es ist nicht ganz egal, zu welcher Uhrzeit man Laborwerte abnimmt.
Speaker0: Alle Laborwerte schwanken tagsüber um 10 bis 20 Prozent.
Speaker0: Manche schwanken viel stärker, vor allem beim Cortisol und beim Testosteron,
Speaker0: das sind beides Hormone.
Speaker0: Die sollte man unbedingt in der Früh abnehmen, auch idealerweise TSH,
Speaker0: das kann um 30% höher in der Früh sein als zum Mittag zum Beispiel.
Speaker0: Und Testosteron, Cortisol sind in der Früh eindeutig am höchsten.
Speaker0: Das heißt, wenn Sie da zuverlässige Werte messen wollen, dann sollte das immer in der Früh sein.
Speaker0: Und es ist ein Unterschied, ob Sie im Sitzen oder im Liegen Blut abnehmen. Warum?
Speaker0: Im Sitzen oder im Stehen versagt ein Teil der Blutflüssigkeit im Gewebe und
Speaker0: das Blut ist schlicht und einfach konzentrierter. Das passiert bei jedem.
Speaker0: Und natürlich steigen damit die roten, die weißen Blutkörperchen um 10 bis 20
Speaker0: Prozent an, aber auch viele Eiweißstoffe, aber auch zum Beispiel das Cholesterin
Speaker0: steigt um 20 Prozent an, wenn Sie im Sitzen abnehmen im Vergleich zum Liegen.
Speaker0: Und es gibt ein paar Hormone, wie zum Beispiel die Blutduchhormone,
Speaker0: wie Adrenalin, Renin, Nordrenalin, die steigen viel stärker an,
Speaker0: weil der Körper natürlich gegensteuern muss, damit das Blut nicht in den Beinen
Speaker0: versagt, wenn man plötzlich vom Liegen ins Sitzen kommt.
Speaker0: Das heißt, es ist durchaus ein Unterschied, was heißt das in der Praxis?
Speaker0: Man sollte Laborwerte immer mit einer gewissen Großzügigkeit sehen.
Speaker0: Wenn der Patient oder die Patientin oder der Kunde oder die Kundin am Vortag
Speaker0: einen Marathon gelaufen ist, dann haben sie sehr seltsame Laborwerte.
Speaker0: Die können aussehen wie bei einem Patienten mit einem Herzinfarkt.
Speaker0: Körperliche Aktivität kann Laborwerte beeinflussen und dann steigen zum Beispiel
Speaker0: auch Herz-Enzyme an oder auch die Muskelmarker.
Speaker0: Vor allem, wenn man ein starkes Training am Vortag hatte, können die Werte ganz ordentlich sein.
Speaker0: Das heißt, wenn der Patient dann sehr hohe Muskelwerte hat, zum Beispiel die
Speaker0: CK, die Kreatin-Knase, kann nach einem Besuch im Fitnesscenter ganz extrem ansteigen.
Speaker0: Wir hatten einmal Werte über 30.000, normal sollten Werte unter 300, 400 sein.
Speaker0: Der Patient war völlig gesund, er hatte noch am Vortag ein isometrisches Training hinter sich.
Speaker0: Und natürlich, was man auch oft vergisst, ist, wenn Patienten krank sind und
Speaker0: kranke Menschen kommen normal häufiger zum Arzt als Gesunde,
Speaker0: dann kommt es auch im Blut zu einer Veränderung der Laborwerte.
Speaker0: Das ist die sogenannte Akutphasereaktion.
Speaker0: Wenn Sie eine akute Erkrankung haben, natürlich steigt die Temperatur,
Speaker0: man fühlt sich nicht gut, man ist müde, aber es steigen auch die Entzündungsmarker
Speaker0: wie C-reaktives Protein, die weißen Blutkörperchen, aber auch viele andere Werte
Speaker0: wie zum Beispiel der Eisenspeichermarker Ferritin,
Speaker0: Fibrinogenen Gerinnungsprotein,
Speaker0: Haptoglobin, das Cortisol steigt ebenfalls, weil das natürlich Stress macht
Speaker0: und gleichzeitig vermindern sich andere wie zum Beispiel Albumin oder Cholesterin,
Speaker0: Eisen oder Vitamin D, aber auch Testosteron oder Schilddrüsenwerte.
Speaker0: Und wenn Patienten im Krankenhaus sind, haben sie fast immer eine Akutphase-Reaktion.
Speaker0: Das heißt, man muss diese Werte mit einer gewissen Großzügigkeit sehen und auch im Kontext sehen.
Speaker0: Das heißt, er wird nicht jedes Mal krank sein, sondern er wird möglicherweise
Speaker0: auch einfach aufgrund der Grunderkrankung deswegen einen besonders niedrigen
Speaker0: Vitamin-D-Spiegel haben oder einen niedrigen Testosteron-Spiegel haben.
Speaker0: Für Fans von Verschwörungstheorien, und ich persönlich liebe Verschwörungstheorien,
Speaker0: ist das natürlich ideal. Es gibt auch zum Beispiel das sogenannte Lipidparadox,
Speaker0: besser bekannt als die Cholesterinlüge.
Speaker0: Sehr zu meinem Erstaunen hat sogar ORF3 vor kurzem darüber einen Beitrag gebracht.
Speaker0: Nicht unbedingt seriös, sondern eher sensationsheischend.
Speaker0: Wenn Patienten schwer krank sind oder akut krank sind, wie zum Beispiel bei
Speaker0: einem Herzinfarkt, sinkt in der Zeit der Erkrankung das Cholesterin um 60 Prozent.
Speaker0: Je kränker jemand ist, desto niedriger ist das Cholesterin und desto früher stirbt er natürlich.
Speaker0: Das heißt, sehr niedrige Cholesterinwerte bei Krankenhauseinlieferungen,
Speaker0: beim Herzinfarkt, sind eher sozusagen ein Zeichen davon, dass der Patient schwer
Speaker0: krank ist und eine intensive Behandlung benötigt.
Speaker0: Verschwörungstheoretiker machen natürlich gleich daraus eine Verschwörung.
Speaker0: Und jetzt können Sie einsetzen, was Sie wollen.
Speaker0: Die Nahrungsmittelindustrie, der Medikamentenmafia, was auch immer.
Speaker0: Die den Leuten versucht zu erklären, dass Cholesterin schädlich ist.
Speaker0: Es ist schädlich. Das wissen wir, es ist der wichtigste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Speaker0: Nur eben bei einer akuten Erkrankung gemessen ist es nicht repräsentativ.
Speaker0: Eine zweite Akutphase-Reaktion, die auch von Ärzten oft unterschätzt ist,
Speaker0: ist, dass der Vitamin-D-Spiegel bei kranken Patienten kurzfristig niedriger ist.
Speaker0: Das heißt, der Vitamin-D-Spiegel ist vermindert, wenn Patienten zum Beispiel
Speaker0: eine akute Entzündung haben, einen Infarkt haben oder auf der Intensivstation liegen.
Speaker0: Das heißt, das führt natürlich immer ein bisschen zu diesem Ursache-Wirkungs-Problem.
Speaker0: Sie haben bei fast jeder schweren Erkrankung einen Vitamin-D-Mangel.
Speaker0: Das heißt aber umgekehrt nicht, dass ein Ersatz von Vitamin-D ist,
Speaker0: wenn man Vitamin-D substituiert.
Speaker0: Dann jede Erkrankung automatisch wieder heilen kann. Also der Umkehrschluss gilt nicht natürlich.
Speaker0: Das ist ein bisschen so wie dieser Vertausch von Ursache und Wirkung.
Speaker0: Das kennen wir alle, aber es würde zum Beispiel niemand einfallen zu sagen,
Speaker0: naja, die meisten Bergunfälle passieren bei schönem Wetter.
Speaker0: Das heißt, das schöne Wetter verursacht eindeutig mehr Unfälle auf dem Berg.
Speaker0: Wir wissen, dass das natürlich andere Faktoren sind.
Speaker0: Viele Patienten sind nüchtern, wenn sie zur Blutabnahme kommen.
Speaker0: Was bedeutet nüchtern? Nüchtern bedeutet, dass man zwölf Stunden nichts isst, nichts trinkt.
Speaker0: Wasser ist selbstverständlich in der Zeit erlaubt, aber bitte keinen Kaffee
Speaker0: und auch nichts rauchen sollte.
Speaker0: Und eigentlich muss der Patient nur bei folgenden Bestimmungen nüchtern sein,
Speaker0: einerseits beim Blutzucker und andererseits bei den Blutfetten,
Speaker0: bei den Triglyceriden und auch da ist der Effekt einer normalen Mahlzeit nur eher moderat.
Speaker0: Die meisten Patienten müssen nicht nüchtern zur Blutabnahme kommen,
Speaker0: das heißt sie können durchaus auch vorher ein kleines, leichtes Frühstück essen.
Speaker0: Vorsicht, es gibt natürlich auch Patienten, die machen einen Sport.
Speaker0: Und um den Arzt zu beeindrucken, sind sie nicht zwölf Stunden nüchtern,
Speaker0: sondern noch viel länger, zum Beispiel 16 Stunden.
Speaker0: Das sind dann die Patienten, die sich wundern. Wenn sie sehr lange nüchtern
Speaker0: sind, steigen dann die Blutfette, die Triglyceride wieder an.
Speaker0: Irgendwann braucht der Körper Energiereserven und löst dann die körpereigenen Fettdepots an.
Speaker0: Dann steigen die Triglyceride, das nennt sich endogene Lipolyse.
Speaker0: Und die sind dann ein bisschen traurig, weil sie so brav waren und doch nüchtern
Speaker0: waren und trotzdem die Triglyceride angestiegen sind.
Speaker0: Sie können damit den Arzt nicht beeindrucken und auf den Cholesterinspiegel
Speaker0: hat es fast keinen Einfluss, ob sie nüchtern sind oder nicht nüchtern.
Speaker0: Und wir haben aber sehr lustige Interaktionen mit Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln.
Speaker0: Die können grundsätzlich immer auftreten, vor allem wenn man jetzt unmittelbar
Speaker0: vor der Blutabnahme Medikamente zu sich genommen hat, zum Beispiel hohe Dosen
Speaker0: Penicillin, stören uns die Bestimmung von Creatinin.
Speaker0: Gratinin ist ein Marker, ob die Niere gut funktioniert und es sieht dann so
Speaker0: aus, als ob die Niere sozusagen ein Problem hätte, obwohl der Patient einfach
Speaker0: nur ein Penicillin gegessen hat.
Speaker0: Das Gleiche haben wir auch bei Nahrungsergänzungsmitteln, also speziell Biotin
Speaker0: ist etwas, wovor wir ein bisschen Respekt haben.
Speaker0: Warum? Wenn der Patient in der Früh Biotin genommen hat, für Haut,
Speaker0: Haare, was auch immer, dann sind quasi alle Hormontests bei uns gestört.
Speaker0: Das heißt, er hat völlig seltsame Hormonbestimmungen, die sicher nichts mit
Speaker0: der Realität zu tun haben.
Speaker0: Das heißt, idealerweise bitte zwölf Stunden pausieren mit Nahrungsergänzungsmitteln
Speaker0: und die Medikamente, die man so täglich braucht, erst nach der Blutabnahme nehmen.
Speaker0: Schilddrüsenhormone können auch zum Beispiel einzelne Schilddrüsenwerte erhöhen
Speaker0: und dann ein bisschen zur Verwirrung führen.
Speaker0: Wir hatten vor kurzem einen Anruf einer automolekularen Medizinerin.
Speaker0: Das sind eine Medizinerdisziplin, die hohe Dosen von Vitaminen,
Speaker0: vor allem Vitamin C, den Patienten als Infusion spritzt.
Speaker0: Einigen Patienten geht es auch darauf besser. Und sie hatte eine Patientin,
Speaker0: der hat sie offensichtlich eine Infusion gegeben und war sehr beunruhigt,
Speaker0: weil sie Patientin keine Blutfette mehr hat. Und sie wollte wissen, ob das gefährlich ist.
Speaker0: Wir haben natürlich gleich gefragt, ob sie der Patientin vorher eine Infusion
Speaker0: gegeben hat mit Vitamin C.
Speaker0: Ja, hat sie gesagt. Damit war auch das Rätsel gelöst, warum die Vitamin C-Infusion
Speaker0: stört unsere Bestimmung von Blutfetten, weil sozusagen diese Bestimmung gehemmt wird.
Speaker0: Dadurch kommt es eben zu keiner Farbreaktion. Und dadurch habe ich dann sozusagen
Speaker0: passagier keine Blutfette messbar.
Speaker0: Am nächsten Tag ist wieder alles in Ordnung. Interessanterweise ist das auch
Speaker0: publiziert worden als besonders toller Effekt von Vitamin C.
Speaker0: In Wirklichkeit ist es mehr oder weniger ein Messfehler aufgrund einer Enzyminteraktion.
Speaker0: Aber das kann auch was Schönes sein, wenn man einen gut publizierten Messfehler
Speaker0: als tolle wissenschaftliche Publikation unterbringt.
Speaker0: Soweit ich weiß, gab es zwei Nobelpreise, wo sich nachher herausgestellt hat,
Speaker0: dass sie eigentlich verliehen wurden aufgrund eines Messfehlers.
Speaker0: Und wir haben natürlich einmal wöchentlich einen aufgeregten Anruf,
Speaker0: entweder von einem Patienten oder von einem Arzt, der einen Patienten vor sich hat.
Speaker0: Der Patient hat sich, warum auch immer, Vitamin B12-Spiegel bestimmen lassen.
Speaker0: Ob das immer notwendig ist, sei jetzt dahingestellt und hat dann festgestellt,
Speaker0: dass seine Vitamin B12-Spiegel erhöht sind.
Speaker0: Was macht man als geschulter Patient als erstes? Man schaut auf Dr.
Speaker0: Google nach, was denn so bei erhöhten Vitamin B12-Spiegeln steht.
Speaker0: Dort steht als erstes, dass dort Leukämien dahinter stecken können.
Speaker0: Das ist in ganz seltenen Fällen der Fall, dass manche sehr seltenen hämatologischen
Speaker0: Erkrankungen leicht erhöhte Vitamin B12-Spiegel haben.
Speaker0: Das sind aber immer Patienten, die sich krank fühlen und die immer auffallen
Speaker0: durch ein sehr auffälliges Blutbild.
Speaker0: Wir fragen immer routinemäßig bei so einem Handruf, wie viele Dosen Energydrinks trinken Sie.
Speaker0: Der Patient sagt meistens sechs Dosen. Wir fragen pro Woche und meistens ist
Speaker0: es pro Tag und damit ist alles klar.
Speaker0: Energydrinks enthalten hohe Dosen Vitamin B12. und er hat sozusagen gerade seine
Speaker0: Energydrinks gemessen.
Speaker0: Was möchte ich euch mitgeben? Grundsätzlich bitte Laborwerte immer mit einer
Speaker0: gewissen Großzügigkeit sehen.
Speaker0: Warum? Der Mensch ist ein komplexes System. Laborwerte schwanken und zwar um
Speaker0: 10 bis 20 Prozent. Das ist gar nicht wenig.
Speaker0: Das ist mehr, als die meisten Ärzte zur Kenntnis nehmen wollen.
Speaker0: Und es können immer komische Laborwerte auftreten.
Speaker0: Und wenn das nicht zu einer Diagnose passt, sondern der Patient sich gut fühlt
Speaker0: und er hat einen etwas seltsamen Laborwert, bitte diesen Laborwert im Zweifelsfall wiederholen.
Speaker0: In doch fast der Hälfte der Fälle sind das biologische Schwankungen.
Speaker0: Manchmal sind das biologische Schwankungen, die wir uns auch nicht erklären können.
Speaker0: Wir lieben diese Fälle, weil wir dann immer auf Fehlersuche gehen können und
Speaker0: was Neues dazulernen können.
Speaker0: Aber manchmal finden wir einfach keine Erklärung, warum ein Laborwert schlicht
Speaker0: und einfach völlig aus der Reihe ist.
Speaker0: Und ein Laborwert alleine macht auch noch keine Diagnose, sondern es sollte
Speaker0: immer natürlich die dazugehörige Symptomatik dazugehören.
Speaker0: Und man muss sich auch nicht beunruhigen, wenn ein Laborwert einmal kurz aus
Speaker0: der Reihe fällt, wenn man ihn kontrolliert und sozusagen dann der Laborwert
Speaker0: wieder in Ordnung ist, dann ist alles bestens, dann war es ein statistischer Ausreißer.
Speaker0: Das heißt, bitte auch eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit Laborwerten,
Speaker0: wobei natürlich für mich sind Laborwerte das Wichtigste in der ganzen Medizin,
Speaker0: aber da gibt es sicher auch ein paar andere Meinungen.
Speaker0: Und zum Abschluss noch eine kleine Bitte. Wenn euch der Podcast gefällt,
Speaker0: freue ich mich, wenn ihr uns folgt.
Speaker0: Und über eine positive Bewertung auf einer Podcast-Plattform eurer Wahl freue
Speaker0: ich mich natürlich ganz besonders. Ihr wisst, wegen der Algorithmen.
Speaker0: Damit hilft uns, die Sichtbarkeit des Podcasts zu verbessern.
Speaker0: Und wenn euch der Podcast nicht gefallen hat, dann bitte empfehlt ihn einfach
Speaker0: jemandem, den er nicht mögt.
Speaker0: Auch dann ist uns geholfen. Und wir Labormediziner wissen immer alles besser,
Speaker0: natürlich. Das ist unser Job.
Speaker0: Aber wir wissen natürlich nicht alles. Das heißt, ich freue mich auch über Korrekturen
Speaker0: und Verbesserungsvorschläge und genauso freue ich mich natürlich über Themenvorschläge
Speaker0: zum Thema Labormedizin.
Speaker0: Dann kann ich in neuen Folgen gemeinsam mit euch planen und das erzählen,
Speaker0: was euch vielleicht besonders interessiert.
Speaker0: Verbesserungen, Korrekturen, Themenvorschläge bitte per E-Mail an fortbildung.labors.at.
Speaker0: Und natürlich wollen wir euch immer den aktuellen Stand der Wissenschaft möglichst
Speaker0: objektiv präsentieren. Das bedeutet aber selbstverständlich,
Speaker0: dass wir versuchen, auch Fakt und Meinungen voneinander zu trennen und persönliche
Speaker0: Meinungen klar zu kennzeichnen.
Speaker0: Und bitte beachtet auch, dass die medizinische Wissenschaft ein System ist,
Speaker0: das die letzten 100 Jahre leidvoller Erfahrung gelernt hat, dass sie aus Versuch
Speaker0: und Irrtum besteht und Erkenntnisse können sich natürlich ändern.
Speaker0: Und wie die Geschichte gezeigt hat, überwiegen leider die Irrtümer.
Speaker0: Und sollte sich etwas ändern, dann kann das natürlich auch eine neue wissenschaftliche
Speaker0: Erkenntnis sein. Wir haben heute den Februar 2026.
Speaker0: Falls ihr den Podcast viel später hört, bitte bedenkt das.
Speaker0: Und bitte beachtet auch, dass wir Labormediziner sehr einfache Sicht auf die Welt haben.
Speaker0: Ich meine, das ist kein Wunder. Unsere Patienten haben schließlich immer nur
Speaker0: 16 mm Durchmesser, sind Blutröhrchen und widersprechen uns nicht allzu oft.
Speaker0: Das heißt, dieser Podcast kann natürlich nicht ein Gespräch mit eurer Hausärztin
Speaker0: oder eurem Hausarzt ersetzen über Laborwerte oder über eure Probleme.
Speaker0: Der kennt euch schließlich im Ganzen seit Jahren und nicht nur aufgrund eines Laborwerts sozusagen.
Speaker0: Schließlich stellt dir auch der Arzt die Ptygnose und nicht das Labor.
Speaker0: Und ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und fürs Zuhören und in Folge 4 geht
Speaker0: es um die Blutabnahme und eben.
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